7 Wochen ohne Strichcode – Mein Fazit

7 Wochen ohne Strichcode - mein Fazit

7 Wochen ohne Strichcode – mein Fazit

Nun ist sie vorbei, die diesjährige Fastenzeit, die Zeit des Verzichts vor den Osterfeierlichkeiten. Ich habe in den vergangenen Wochen auf alle Lebensmittel mit Strichcode verzichtet, um auf diese Weise meine alltäglichen Lebensmittel-Konsumgewohnheiten zu überdenken. Auf Lebensmittel mit Strichcode zu verzichten bedeutet nämlich in erster Linie, diese nicht mehr im Supermarkt einkaufen zu können, sondern bei kleinen Händlern, auf Märkten und direkt beim Erzeuger.

Ich war zunächst skeptisch, ob es überhaupt noch möglich sein würde, mich unabhängig von Supermärkten mit allen Lebensmitteln versorgen zu können, die ich zum einen wirklich brauche und zum anderen darüber hinaus gerne hätte (Kaffee, Schokolade, Bier, Wein, …).

Ich habe mir also überlegt, wo ich was kaufen könnte und gemerkt: Verhungern werde ich sicherlich nicht, im Gegenteil: Es scheint wirklich viel zu geben (hier ursprüngliche Liste mit den Einkaufsmöglichkeiten ansehen).

Schnell ist dabei aber die Frage aufgekommen, ab wann ein Lebensmittel „strichcodefrei“ ist: Wenn ich es ohne Strichcode irgendwo einkaufen kann oder wenn es nur aus strichcodefreien Zutaten hergestellt ist? Am Anfang habe ich dabei nur an Brot/Brötchen vom Bäcker und Wurst/Schinken vom Metzger gedacht, die ich zwar ohne Strichcode einkaufe, aber die mit Mehl und Gewürzen hergestellt wurden, auf denen sich mit Sicherheit Strichcodes befunden haben.

Im Laufe der Zeit bin ich aber immer mal wieder in solche Grauzonen-Situationen gekommen, nämlich immer dann wenn es außer Haus fremd zubereitetes Essen gab. Das lies sich insbesondere bei diesen beiden Situationen nicht vermeiden:
Geschäftsessen mit Chef und Geschäftspartner
Fotoseminar des DFV
Darüber hinaus habe ich es aber gemieden, durch andere zubereitete Speisen zu Essen, da ich nicht beurteilen konnte, wie viele Strichcode-Zutaten sich darin befinden. Soll heißen: Keine Restaurantbesuche und möglichst selten bei Freuden / Verwandten essen, um dort niemanden in eine unangenehme Situation zu bringen.

Im Anschluss an das Alumnitreffen der Food Manager im Weinkeller von FM13 ist mir das wirklich abstruse an dieser Situation aber erst richtig bewusst geworden: Ich habe mich dort in erster Linie mit frischem Brot und köstlichem Bärlauchpesto (und Weinschorle 😉 ) begnügt und habe die selbst gemachten Dinge der derzeitigen Food Management Studenten gemieden – wegen vermuteter Strichcode-Zutaten. Dinge, die strichcodefrei zum Verkauf angeboten werden, sind ok, obwohl sie vermutlich Strichcode-Zutaten enthalten (Gewürze in der Wurst, Olivenöl im Pesto), nicht aber Selbstgemachtes von Privatpersonen. Das kann es eigentlich nicht sein.
Aber hätte ich das durchgehen lassen, hätte ich ja ich mittags immer das frisch gekochte Mittagessen an der Arbeit essen können. Und mich abends von Freunden bekochen lassen können. Es ist wirklich schwer, hier eine sinnvolle Grenze zu ziehen.

Das Selbstversorgen mit strichcodefreien Lebensmitteln gestaltete sich aber nach einer Umgewöhnungsphase von ca. zwei Wochen wirklich gut. Die ersten beiden Wochen waren anstrengend, da mein Mann und ich zuvor meist kurzfristig nach Lust und Laune entschieden haben, was es am Abend zu Essen geben soll. Nun war eine längere Vorplanung nötig, denn wir konnten nicht nach der Arbeit schnell am Supermarkt halten und alles kaufen, wonach uns gerade war. Nun mussten wir genauer organisieren, wer was wann wo mitbringt, denn es mussten nun mehrere Stationen angefahren werden und deren jeweilige Öffnungszeiten beachtet werden.
Es ist am Anfang vorgekommen, dass ich nicht rechtzeitig Feierabend machen konnte, um vor 18 Uhr noch einkaufen zu können. Auch stand ich mal vor verschlossenen Türen, weil ich nicht daran gedacht hatte, dass dieses Geschäft nicht jeden Nachmittag geöffnet hat. Das Improvisieren mit Sachen aus dem Vorrats- und Gefrierschrank war dann auch nicht möglich, da Nudel, Reis und TK-Gemüse schließlich Strichcodes hatten. Um einen ersten Ehestreit wegen Strichcodefasten zu vermeiden (und wenn wir hungrig sind, können mein Mann und ich leider sehr zickig werden) haben wir dann an diesem Abend doch noch strichcodefreies Gemüse im Supermarkt gekauft und gekocht. Und seit dem besser geplant 😉

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Mitmenschen bedanken, die mich während des Strichcodefastens unterstützt haben. Das sind zunächt einmal alle, die mir Tipps zum strichcodefreien Einkaufen gegeben haben. Marie sei herzlich gedankt für den köstlichen Apfelsaft aus Brauerschwender Apfeln, das Abendessen mit Anke war ebenfalls sehr schön. Ein besonderer Dank gilt Karsten: Er hat mir nicht nur ein Strichcode-Fasten Starter-Kit geschickt, sondern darüber hinaus so vielen Menschen von meiner Idee erzählt, dass ich ihm viele Blog-Besucher und Berichte über Strichcode-Fasten zu verdanken habe. Bedanken möchte ich mich auch bei Torge Bode vom ZDF, der einen TV-Beitrag über Strichcodefasten für das heute journal gemacht hat. Der größte Dank gilt aber meinem Mann Christian, der mich während der Fastenzeit immer voll unterstützt hat – auch wenn es für ihn nicht immer leicht war und ich an manchen Abenden zu Hause mehr mit bloggen als mit ihm verbracht habe. An der Reaktion von anderen Christian gegenüber lies sich übrigens schön erkennen, was sie von Strichcodefasten halten: Wurde er gefragt „Machst du da auch mit?“ empfanden die Leute die Idee eher positiv-interessant. Dass sie es für Spinnerei hielten, lies sich hingegen durch die Frage „Musst du da auch mitmachen?“ eindeutig erkennen…

Auch wenn es mir mittlerweile organisatorisch nicht mehr schwer fällt, strichcodefrei einzukaufen, werde ich nach den Osterfeiertagen nicht mehr komplett auf den Lebensmitteleinkauf im Supermarkt verzichten (vor allem aus Zeitgründen) und auch wieder das ein oder andere Lebensmittel mit Strichcode essen. Aber vieles werde ich mir auch weiterhin von den heimischen Erzeugern gönnen. Ich brauche zum Beispiel keinen abgepackten Industrie-Käse (auch mit noch so tollem Markenimage nicht), wenn ich mehrere kleine Käsereien in meiner Nähe haben, die klasse Produkte machen.
Apropos abgepackt: Während der letzten Wochen habe ich ganz neben bei enorm viel (Plastik-) Verpackungsmüll gespart. Denn worauf befinden sich Strichcodes in der Regel? Richtig: Auf der Verpackung, die zu Hause im Müll landet.

Während des Strichcodefastens habe ich viele Produkte, kleine Läden und Manufakturen kennengelernt, die ich in meinem normalen Alltag vermutlich nicht kennengelernt hätte. Von manchen hatte ich zwar zuvor schon gehört und mir gedacht: „Toll, dass es sowas hier gibt, da muss ich unbedingt mal hin!“ – war aber trotzdem noch nie dort. Andere Dinge hätte ich vielleicht nicht einmal wahrgenommen, weil ich nie gezielt danach geschaut hatte. Wenn man aber mit offenen Augen durch die Welt geht – und ist es auch nur die noch so kleine Region, in der man seinen Alltag verbringt und die man schon zu kennen glaubt – und weiß, was man will, findet man es tatsächlich auch!

Ich bin froh und dankbar, das so sagen zu können. Denn es ist wirklich ein Luxus den wir hier haben, alle Lebensmittel die wir brauchen und sogar kulinarische Wünsche, die darüber hinaus gehen, ohne wirklich große Hürden bekommen zu können. Und das sogar, wenn man das ständig verfügbare Überangebote an sicheren Lebensmittelmassen in Supermärkten und Discountern komplett außen vor lässt. Ein Luxus, den man in unserer Überflussgesellschaft aber gerne als Standard annimmt. Wir sollten uns alle wieder mehr bewusst machen, dass es eben keine Selbstverständlichkeit ist.

Ich kann es wirklich jedem empfehlen, einfach mal zu versuchen, seine Einkäufe für eine gewisse Zeit außerhalb vom Supermarkt zu tätigen. Es muss ja nicht zwingend 100% strichcodefrei sein, denn selbst manche kleine regionalen Erzeuger verwenden Strichcodes auf ihren Produkten. Alles was industrielle Massenware ist, hat einen Strichcode, aber nicht alles was einen Strichcode hat, ist industrielle Massenware.
Probiert aus, ob ihr euch noch unabhängig von Supermärkten mit allen Lebensmitteln, die ihr braucht und wollt, versorgen könnt. Unterstützt bei euren täglichen Einkäufen nicht nur die Lebensmittelindustrie und Handelsketten-Konzerne, sondern lieber wo möglich die lokalen Erzeuger und kleinen Händler eurer Region! Spart euch den ganzen Mist, den euch die Lebensmittelindustrie als unverzichtbar verkaufen möchte und gebt stattdessen lieber etwas mehr aus beim regionalen Handwerker, in der kleinen Manufaktur oder beim Direktvermarkter. Werdet euch bewusst, was ihr wirklich braucht und genießt den Luxus, den ihr euch darüber hinaus gönnt, auch ganz bewusst als solchen. Und seit dankbar, denn es ist keinesfalls selbstverständlich.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein Frohes Osterfest!

P.S.: Es wird auch nach der Fastenzeit weiterhin Beiträge hier im Blog und auf der Strichcodefasten-Facebookseite geben. Folgen und liken lohnt sich also auch nach Ostern!

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