Ein Morgenkaffee ohne Strichcode – sensorisch analysiert

Pünktlich zum Wochenende habe ich mir in der Rösterei Gecko in Fulda Kaffeebohnen ohne Strichcode gekauft. Aus den rund 20 Sorten habe ich mich zunächst für die Hausmischung „Fuldaer Altstadt-Auslese“ entschieden, eine Mischung aus drei verschiedenen Arabica-Bohnen, die eher wenig Säure besitzen soll. Preis: 5,50€ / 250g.

Rösterei Gecko in Fulda

Die Rösterei Gecko in Fulda bietet 20 verschiedene Sorten selbst gerösteten Kaffee an

Die Kaffeebohnen werden direkt im Laden geröstet und es roch einfach herrlich dort! Hier werde ich sicherlich noch öfter Kaffee kaufen und mich durch die verschiedenen Sorten probieren.

Röstmaschine Rösterei Gecko

Hier werden die Kaffeebohnen geröstet

Nach dem Aufstehen habe ich heute zunächst meine restlichen Bio-Kaffeebohnen (aber mit Strichcode) gemahlen und bringe sie nachher meinen Eltern. Ich befürchte, sie würden zu viel Aroma verlieren, wenn ich sie bis nach Ostern bei mir aufbewahre und dort wird das Kaffeepulver sicherlich vorher aufgebraucht.

Dann habe ich die Mühle sauber gemacht und ein paar Bohnen der „Fuldaer Altstadt-Auslese“ gemahlen. Diese waren kleiner und dunkler, als die vorherigen. Als der Kaffee gekocht war und ich den ersten Schluck probiert hatte, fiel mir sofort das deutliche Röstaroma auf, das viel intensiver war als bei meinem üblichen Kaffee.

Während meines Food Management Studiums an der DHBW hatten wir neben den allgemeinen betriebswirtschaftlichen Disziplinen unter anderem auch Vorlesungen in Sensorik und Warenkunde. Die Warenkunde-Kaffee Vorlesungen + Exkursion bei Dr. Steffen Schwarz von Coffee Consulate waren wirklich ein Highlight.

Beim Gedanken daran und der Erkenntnis, dass dieser Kaffee tatsächlich viel intensiver schmeckt als mein Bisheriger (und vor allem im Vergleich zu dem, den ich täglich im Büro getrunken habe), überkam mich die Lust, ein sensorisches Profil dieses für mich ganz besonderen Kaffees zu erstellen. Die sensorische Bewertung fällt mir nach wie vor recht schwer, die Differenzierung und Beschreibung des Geschmacks und des Geruchs ist komplizierter, als man denkt. Ich müsste das wirklich wieder mehr trainieren. Aber ich Glaube, die Strichcode-Fasten-Aktion ist ein guter Rahmen dafür 🙂

Als Beschreibungshilfe hat mir das Coffee Consulate Flavourprofil für Kaffee gedient, was ich auf der Internetseite von Coffee Consulate entdeckt habe. Und das ist mein persönliches Sensorik-Ergebnis von der „Fuldaer Altstadt-Auslese“ aus der Rösterei Gecko in Fulda:

Intensität von 0 = nicht vorhanden bis 4=sehr ausgeprägt

Gustatorik (Gesckmack/Taste) und Haptik (Mundgefühl/Mouthfeel):
Säure: 1
Bitterkeit: 2,4
Salzigkeit: 0,3
Süße: 2

Im Spinnennetzdiagramm ergibt sich damit folgendes sensorisches Profil:

Spinnennetzdiagramm Sensorik Kaffee

Mein persönliches sensorisches Profil der Gustatorik und Haptik

Olfaktorik (Aroma)
Frucht: 0,2 (kaum, minimalistischer Hauch von Dörrobst)
Floral: 0,2 (in Nuacen vorhanden)
Kräuter: 0,4 (nach dem ich Minze gelesen habe, ist mir tatsächlich Minze aufgefallen)
Vegetal: 2,5 (Stroh und Tabak kommen gut zur Geltung, ebenfalls etwas Getreide)
Gewürze: 1,8 (insgesamt mild würzig, einzelne Aromen kann ich jedoch nicht definieren)
Hölzer: 2 (die Gerüche einzelner Hölzer kann ich so genau nicht bestimmen, aber mehr Laub- als Nadelholz)
Nüsse: 2 (Haselnuss und Marone)
Röstaromen: 3 (Brotkruste, Malz, Zartbitter-Schokolade)
Mineralisch: 0,5 (leicht erdiger Ton)
Chemisch: 0,5 (etwas Cognac, Marzipan)
Mikrobiologisch: 0,5 (Leder)

Im Spinnennetzdiagramm ergibt sich damit folgendes sensorisches Profil:

Spinnennetzdiagramm Sensorik Kaffee Olfaktorik

So habe ich die Olfaktorik empfunden

Einige Vereinskollegen aus unserem Food Management Alumni-Verein „Kulinaristen – Netzwerk zur Förderung der Gaumenfreude e.V.“ machen nächste Woche einen Latte Art Workshop bei Coffee Consulate in Mannheim. Ich habe diesen vor zwei Jahren auch besucht und fand es wahnsinnig spannend! An dieser Stelle: Viel Spaß & viele Grüße!

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5 Gedanken zu “Ein Morgenkaffee ohne Strichcode – sensorisch analysiert

  1. Mir ist nicht ganz klar, was daran „fasten“ sein soll, wenn du genau so viel Kaffee trinkst, wie sonst auch.
    Welchen Unterschied macht ein bisschen mehr oder weniger Druckfarbe (in Form von Strichen) auf der Verpackung?

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    • Danke für deinen Kommentar, liebes Etikettenwissen! Ich gebe dir recht, die gesparte Menge an Druckerfarbe macht sicherlich keinen Unterschied. Das Strichcode-Fasten verfolgt aber auch nicht das Ziel, Druckerfarbe zu sparen.

      Über Strichcode-Fasten möchte ich meinen alltäglichen Lebensmittelkonsum überdenken, meine Gewohnheiten im Lebensmitteleinkauf. Ich verzichte auf alle Lebensmittel, die ich in Masse produziert in allen Supermärkten kaufen kann (dafür wird der Strichcode mittlerweile zwingend benötigt, aber wem sage ich das 😉 ).

      Ich versuche Alternativen abseits von der Supermarkt-Massenware zu finden, am liebsten direkt von kleinen Erzeugern aus der Region, in der ich lebe.
      Am Beispiel Kaffee kann man das recht gut sehen:

      Den Dallmayr, Tschibo. Eduscho, Jacobs, etc. Kaffee bekomme ich überall. In jeder Stadt, in jedem Dorf. Die Bohnen werden von irgendwo gekauft und dann in großem Stile massenhaft und standardisiert geröstet.

      Die Bohnen für meinen Kaffee wurden zwar auch irgendwo fern eingekauft, aber dann von Menschen ganz in meiner Nähe in einer kleinen Maschine in Handarbeit und in kleiner Menge geröstet. Und dann ohne die Institution Supermarkt direkt vom Hersteller an den Kunden gebracht.

      Ich fand es sehr spannend diese Rösterei zu entdecken, denn ich dachte, dass es so etwas spezielles hier im ländlichen Raum gar nicht gibt. Ich dachte, dass ich wohl während der Fastenzeit komplett auf Kaffee verzichten würde, weil ich keinen Kaffee ohne Strichcode bekäme.

      Umso größer war also die Freude, als ich am Wochenende Kaffee trinken konnte. Ich genieße diesen Kaffee sehr, wenn ich mir eine Tasse davon gönne, denn ich trinke definitiv weniger Kaffee als zu vor. Zuvor habe ich im Büro mehrere Tassen Kaffee einer Massen-Marke (immer die aus dem Angebot) getrunken. Ich glaube, durch das Strichcode-Fasten kann Kaffee für mich auch wieder mehr Genussmittel als Suchtmittel werden 🙂

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